Adventskonzert – klangvoll und zart

Der Kontrast könnte kaum größer sein: Auf der einen Seite der raumfüllende Klang des Blasorchesters, auf der anderen Seite das zart gezupfte Spiel des Cembalos. Dass das sehr gut zusammengeht, zeigte das Adventskonzert der Stadtmusik in der Bonifatiuskirche. Aufgeführt wurden Werke von William Byrd und anderer Komponisten der Renaissance, aber auch moderne Werke, die sich auf die Musik jener Zeit beziehen. Interpreten waren die Stadtmusik mit Dirigent Phillip Boyle und die Cembalistin Weronika Paine. Das Interesse war groß – schließlich hört man ein Cembalo nicht alle Tage live. Die Kirche war sehr gut besetzt. Und das schlug sich auch im Kollektenergebnis nieder. Es war nach dem Rekord beim Benefizkonzert für die Ukraine vor Jahresfrist das beste, das jemals bei einem Adventskonzert der Stadtmusik erzielt wurde. Die Lesungen von Pfarrerin Gudrun Mauvais und Pfarrer Joachim Giesler trugen das Ihre zu einem gelungenen Konzert bei.

Foto: Barbara Ruda, Badische Zeitung

Presseberichte:

Strahlende Klänge der Stadtmusik in der Kirche St. Bonifatius

Gastmusikerin Weronika Paine bereicherte die Veranstaltung in der Kirche St. Bonifatius mit Beiträgen auf dem Cembalo. Aber passt das überhaupt zusammen: hier die volltönende Blasmusik und dort das feine, gezupfte Tasteninstrument aus der Renaissance- und Barockzeit? Ja, es passte und ergänzte sich zu einem stimmungsvollen Klangerlebnis.

Oberbadische Zeitung vom 11.12.2023; Regine Ounas-Kräusel
>> zum vollständigen Pressebericht (Oberbadische Zeitung)

Klangvolumen und federleichte Töne beim Adventskonzert der Stadtmusik Lörrach

Beim Adventskonzert in der St. Bonifatiuskirche hat sich die Stadtmusik, unter Leitung von Phillip Boyle, dem englischen Komponisten William Byrd und Musik der Renaissance gewidmet. Dazu gab es Wort-Impulse zum Advent.

Adventskonzert 2023

Die Stadtmusik Lörrach lädt herzlich ein zum Adventskonzert am Samstag, 9. Dezember
11 Uhr, in der Kirche St. Bonifatius.

Programmnotizen

William Byrd, einer der größten englischen Komponisten der Renaissance, ist heute vor allem durch die umfangreichen Sammlungen seiner Cembalo-Musik im Fitzwilliam Virginal Book und im My Ladye Nevells Booke bekannt. Ein großer Teil von Byrds Schaffen war Musik für das Cembalo, ein damals beliebtes gezupftes Tasteninstrument. Warum sollte sich ein Blasorchester im 21. Jahrhundert dafür interessieren?

Nach der ersten modernen Ausgabe von Fitzwilliam 1899, begann Byrd wieder Anerkennung zu finden. Gordon Jacob, damals noch Kompositionsstudent am Royal College of Music, erhielt 1923 den Auftrag, ein Orchesterwerk zu schreiben, um den Komponisten anlässlich seines 300. Todestages zu würdigen. Dieses Original ist verloren gegangen, aber die erweiterte  Blasorchesterversion, die Jacob ein Jahr später schrieb und die auf sechs Stücken aus dem Fitzwilliam basiert, ist zu einem Standardwerk im Blasorchesterrepertoire geworden.

Anlässlich des 400. Todestages von William Byrd und des 100-Jahr-Jubiläums von Jacobs William Byrd Suite präsentieren wir ein Programm, das sich um Byrd und die englische Renaissance dreht. Wir freuen uns sehr, die virtuose junge polnische Cembalistin Weronika Paine aus Basel als Gastsolistin dabei zu haben. Sie ergänzt das Programm mit Stücken aus den oben genannten Sammlungen auf dem Cembalo.

Das Konzertprogramm ist vielschichtig; nur wenige der Stücke stammen von einer einzigen Person. Die meisten Stücke wurden zuerst von englischen Komponisten des 16. Jh. geschrieben und dann von Komponisten des 19. und 20. Jh. neu bearbeitet. Jacobs William Byrd Suite ist erneut Gegenstand einer Neuausgabe von Andrew Trachsel geworden. Aber selbst Byrd hat nicht bei null angefangen; The Earle of Oxford‘s Marche enthalten vielleicht die Signatur-Trompetenfanfaren des Earls, und Lord Willobie‘s Welcome Home wurde als Lied von Byrds Zeitgenossen John Downland geschrieben und von Byrd in eine Cembalo-Komposition verwandelt, ähnlich wie Jacob es mit Byrds Werken tat. Oder wie es der romantische Komponist Vaughan-Williams mit Byrds Lehrer Thomas Tallis tat. Vaughan-Williams nahm eine der Hymnen von Tallis, fügte ihr eine gehörige Portion romantischer Fantasie hinzu und schuf so aus dem bereits ausgezeichneten Choral eine weitere ergreifende Komposition.

Der tschechische Romantiker Smetana, der vor allem für Die Moldau bekannt ist, verfolgte einen noch freieren Ansatz, als er einen Marsch zum 300. Geburtstag von William Shakespeare (ebenfalls ein Zeitgenosse von Byrd) schrieb. Er schrieb das musikalische Material selbst, inspiriert von Figuren aus Shakespeares Stücken.
Viele der Stücke in diesem Programm sind beliebte Tänze der Renaissance, wie Alman, Bransle, Jig und Canarios. Die Pavane war ein schreitender Eingangstanz, auf den immer eine sprunghafte Gaillarde folgte. Jacobs alleinstehende Pavana erhält in unserem Konzert die dazugehörende Gaillarde. Viele der Tänze basieren auf Bass-Ostinaten, im Englischen „Grounds“ genannt: verschiedene Variationen werden dabei über ein Muster von Bassnoten gespielt. Beispiele dafür sind in The Queens Alman oder My Ladye Nevells Grownde zu hören. The Bells ist ein Extrembeispiel, bei dem der wiederholte Bass nur aus zwei Tönen besteht – fast wie Renaissance-Minimalismus.

William Kempe war einer der ersten Shakespeare-Darsteller und ein Tänzer, der für einen Morris-Tanz berühmt wurde, bei dem er 177 Kilometer von London nach Norwich in neun
Tagen zurücklegte. An ihn erinnert die Tanzmelodie Kemp’s Jig.

Die Quellen von Sparkes A Medieval Christmas reichen bis ins 15. und 16. Jahrhundert zurück und geben den mittelalterlichen Melodien auch in der Renaissance einen festen Platz. Coventry Carol ist heute noch ein beliebtes Weihnachtslied in England. Der Text erzählt vom Kindermord in Bethlehem, als König Herodes anordnet, alle Jungen unter zwei Jahren zu ermorden.
Phillip Boyle, Dirigent

Programm

Henry VIII. (1491-1547)
arr. Bernhard Wüthrich
Royal Fanfare

William Byrd (1543–1623)
Praeludium in C-Dur *
Nr. 24 in Fitzwilliam Virginal Book

Gordon Jacob (1895-1984)
ed. Andrew Trachsel
William Byrd Suite (1923)
I. The Earle of Oxford’s Marche
(Nr. 259 in Fitzwilliam Virginal Book)
II. Pavana
(Nr. 174 in Fitzwilliam Virginal Book)
William Byrd

Galliarda in A-Moll *
(Nr. 175 in Fitzwilliam Virginal Book)

Lesung

Franco Cesarini (1961-)
Renaissance Suite
I. Vive Henri IV (Anon, c.1590)
II. Kemp’s Jig (Anon, c. 1600)
III. Canario (Anon, c. 1500)
IV. Bransle de Chevaux (Anon., c. 1590)

William Byrd
The Queenes Alman *
(Nr. 172 in Fitzwilliam Virginal Book)

Lesung

William Byrd
Jhon come kisse me now *
(Nr. 10 in Fitzwilliam Virginal Book)

Ralph Vaughan-Williams (1872-1958)
arr. Jay Bocook
Fantasia on a Theme by Thomas Tallis (1505–1585)

William Byrd
My Ladye Nevells Grownde *
Nr. 1 in My Ladye Nevells Booke (1591)

Bedřich Smetana (1824–1884)
arr. John Glenesk Mortimer
Marsch für das Shakespeare-Festival, op.20 (1864)

Lesung

William Byrd
William Byrd Suite
III. Jhon come kisse me now
(Nr. 10 in Fitzwilliam Virginal Book)
VI. The Bells
(Nr. 69 in Fitzwilliam Virginal Book)

Lesung

William Byrd
Lord Willobies Welcome Home *
Nr. 33 in My Ladye Nevells Booke (1591)

Philip Sparke (1951-)
A Medieval Christmas
I. Gaudete (Anon, 1582)
II. Coventry Carol (Anon, 1591)
III. In dulci jubilo (Anon, c.1400)

Lesungen: Pfarrer Joachim Giesler und Pfarrerin Gudrun Mauvais
* Solo für Cembalo

 

Solistin

Weronika Paine ist eine preisgekrönte Cemba-listin und Organistin, die sich für historischen Tanz und Cantus-Firmus-Technik begeistert.

Ausgebildet an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis, ist sie bestrebt, die Erfahrung von Schönheit mit ihrem Publikum zu teilen. Weronika liebt es, ihre Darbietungen zu kontextualisieren, und kann auf eine vielfältige internationale Konzerttätigkeit als Solistin und Kammermusikerin zurückblicken.